Wiegengeschenk Konstitution

In der Homöopatie spilt der Begriff der Konstitution eine wichtige Rolle. Doch was ist darunter zu verstehen? Konstitution ist die geistige, seelische und körperliche Verfassung eines Menschen sowie die damit verbundene Tendenz zu bestimmten Erkrankungen. Sie wird einem in die Wiege gelegt. So gibt es Menschen, die über eine robuste Konstitution verfügen. Sie wirft so schnell nichts um, während andere hingegen bereits auf harmlose Geschehnisse des Alltags stark reagieren, schnell psychisch erschöpft, gestresst oder aufgeregt sind.

Obwohl die Konstitution angeboren ist, kann sie sich im Laufe des Lebens durch äussere Einflüsse verändern, und damit ist sie - wenn auch innerhalb gewisser Grenzen - beeinflussbar. Diese Wandelbarkeit macht sich die Hoöopatie zunutze, indem sie die seelische, körperliche und geistige Verfassung eines Menschen positiv umstimmt.

Die Veranlagung entscheidet mit

Die Konstitution eines Menschen erkennt man an seinem Verhalten und Benehmen, seinem Temperament und an seinem Aussehen. In der Homöopatie werden alle diese individuellen Mosaiksteine berücksichtigt und der Mensch in seinen Erscheinungsmerkmalen wird dann dass passende Konsstitutionsmittel gewählt.

Cholerisch oder Phlekmatisch - Das ist die Frage!

Die Beschäftigung mit Konstitutionen in der Medizin ist nicht neu. So wurde die antike Vier-Säfte-Lehre von dem berühmten Arzt Galen (129-199 n- Chr.) entwickelt. Dieser blieb Grundlage der Medizin bis zum 17. Jahrhundert. Die Vier-Säfte-Lehre ging von einer einfachen Grundannahme aus: Im Körper kursieren die gelbe Galle (cholos), die schwarze Galle (melancholos), der Schleim (phlegma) und das Blut (sanguis). Ist die Mischung deser Sáfte ausgewogen, so ist der Mensch gesund und munter (Eukraisie). Stocken die Säffte jedoch, vermischen sie sich zu sehr oder kommt es zu einem Ungleichgewicht, verursacht dieser Zustand die verschiedensten Krankheiten (Dykrasie). Dabei handelt es sich jedoch nicht nur um körperliche Beschwerden. Der influss der Säfte erreicht auch die seelische Ebene - die Antike trente nicht Körper und Seele.

 

Von Natur aus gab es vier Temperamente, bei denen jeweils ein Körpersaft im Übermass vorhanden war.

 

  • Der Choleriker

             Ein Zuviel an gelber Galle? Das ist der Fall beim Choleriker. Hitze und aufbrausend ist er. Im wahrsten Sinne des               Wortes kommt ihm die Galle hoch.

 

  • Der Phlegmatiker

             Ganz anders der Phlegmatiker, dessen Übermass an feuchtem, kaltem Schleim nicht nur für Erkältungen sorgt,                 sondern auch für eine gewisse Schwerfälligkeit, so dass Ermatung und Schwunglosigkeit drohen. 

 

  • Der Sanguiniker

             Der Sanguiniker, in dessen Adern reichlich Leben spendendes Blut pulsiert, ist zwar jugendlich frisch und                             leichtblütig, neigt jedoch auch zur Leichtsinnigkeit.

 

  • Der Melancholiker

            Der Melancholiker hat zuviel schwarze Galle in sich - Tiefsinn und Schwermütigkeit sind die Folge.

 

Die Vier-Säfte-Lehre ist sehr umfassend und kann hier nur angerissen werden. Dennoch liefert sie einige interesante Hinweise, auch für die heutige Zeit, wie man sein angeborenes Temperament ein wenig zügeln kann: Angenommen, Sie gehören zu den Phlegmatikern, sind bedächtig und etwas träge, weil ein Übermass an kalt-feuchtem Phlegma in ihrem Körper kursiert - dann können sie nichts Besseres tun, als diesem Zustand, besonders im Winter, durch Hitze entgegenzuwirken. Das kann mithilfe eines Tees aus den als warm und trocken eingestuften Heilpflanzen Salbei oder Thymian geschehen. Aber auch eine Rotlichtlampe wird sie innerlich erwärmen und auf Trab bringen. Was nun tun wenn sie zu den Cholerikern gehören, mit einem hitzigen Gemüt auf die Welt gekommen sind und sich gerade im Sommer vorsehen müssen, dass das innere Feuer nicht vulkanartig aus ihnen herausbricht? Hier sind kalte, feuchte Anwendungen gefragt: Lassen sie etwas kühles Wasser über ihre Unterarme laufen, trinken sie einen Teeaufguss aus kalter Pfefferminze.

Und was, wenn sie ein Melankoliker sind? Immer ein wenig traurig, ein wenig nachdenklich. Im körperlichen Bereich leicht erschöpft: es fehlt die Energie, den Körper optimal zu aktivieren. Hier wurde in der Antike nicht - wie heute - auf antidepressiv wirkende Arzneimittel gesetzt. Der trockenen und kalten schwarzen Galle wurde mit Wärme und Feuchtigkeit der Garaus bereitet. Für sie bedeutet dies warmes Wasser in allen seinen Formen, am besten als warmer Leberwickel. Aber auch ein duftendes Vollbad kann die trüben Gedanken vertreiben. Als Heilplanze, als optimaler Duft für sie, käme hier die Zitronenmelisse infrage, die das Blut von Melancholera reinigt und fröhlich macht. Der Sanguiniker schliesslich bekommt durch Hafer, Gräser, Schachtelhalm und Löwenzahn die nötige Bodenhaftung.

 

 

 

ANDERE KONSTITUTIONEN

 

Im wissenschaftlichen Zeitalter mag diese Säftelehre manchmal überholt und veraltet erscheinen. Dennoch findet sich der Gedanke, dass es bei den Menschen gewisse Konstitutionstypen gibt, vielfach wieder. Am bekanntesten ist die Konstitutionslehre Ernst Kretschmers, dessen 1921 erschienenes Lehrbuch Körperbau und Charakter drei Typen unterscheidet: Den langen, schmalen Leptosomen, dessen efühlslage zwischen überempfindlich und unempfindlich schwankt. Den gedrungenen Pykniker mit den polaren Gefühlsregungen heiter, lebhaft und depressiv. Und schliesslich den Athletiker, der psychisch zum Gefühl innerer Spaltung neigt.